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Gedanken zum Einsatz am 13.03.2009 PDF Drucken E-Mail
Einsätze

Freitag, 13.03.2009, 6:00 Uhr: Mein Wecker klingelt. Die Arbeit ruft. Ich bin aber noch so müde und schalte ihn in die Schlummerfunktion - noch kurz weiterdösen

6:01 Uhr: Mein Funkmeldeempfänger meldet sich laut und unüberhörbar mit dem Stichwort „Einsatz für die Feuerwehren Kreuzwertheim und Marktheidenfeld, auf der Autobahn A3, Fahrtrichtung Nürnberg, bei Kilometer 260,0, brennt Tankzug“

Weiterdösen? Kein Gedanke - nichts wie raus, schnell anziehen, ab ins Auto und dann los zum Feuerwehrhaus. Hellwach durch den Alarm fahre ich zügig durch den langsam erwachenden Ort. Am Feuerwehrhaus sind bereits die Tore geöffnet, die Lichter brennen und vereinzelte Sätze wie „LKW Brand Autobahn“, „Atemschutz“ und „wir fahren mit dem TLF“ sind zu hören.

Also schnell wieder raus aus den vor wenigen Sekunden erst angezogenen Klamotten und rein in die Einsatzuniform. Jacke, Helm, Gurt und Atemschutzmaske unter den Arm geklemmt und schnell zum Tanklöschfahrzeug. Ich öffne die Türe der Mannschaftskabine und stelle voller Erstaunen fest, dass bereits alle vier Plätze mit den erforderlichen Atemschutzgeräteträgern besetzt sind. „Schnell, wir brauchen noch nen Fahrer“ höre ich vom Angriffstruppführer. Dumpf und schwer verständlich, da dieser sich gerade die Atemschutzmaske anlegt. Die haben sich aber ganz schön beeilt - schließlich bin ich ja auch direkt zum Feuerwehrhaus gekommen.

Also schnell herum ums Fahrzeug, elektrische Versorgung und Druckluft getrennt, einsteigen und Motor starten. Während der Gruppenführer schon Richtung Fahrzeug eilt, schalte ich Funk, Beleuchtung und Blaulicht ein und schnalle mich an. Auch bei uns gilt: Anschnallen ist Pflicht. Kaum hat der fehlende Fahrzeugführer seine Türe geschlossen, kommt von ihm das Kommando „Abfahrt“ und ich fahre vorsichtig aus dem Gerätehaus, schalte das Martinshorn ein und biege in Richtung Auffahrt Marktheidenfeld ab.

Es ist 6:05 Uhr. Auf dem langen Weg in Richtung Autobahn gehen mir nun die ersten Gedanken durch den Kopf, was uns denn erwarten könnte. „Brennt Tankzug“ - das kann vieles sein: ein leeres Fahrzeug, vielleicht beladen mit nicht brennbaren Flüssigkeiten oder gar ein Gefahrguttransport. Jeder kann sich sicherlich vorstellen, welch mulmiges Gefühl mich ergreift, als mir der Gedanke eines mit Kraftstoff beladenen, brennenden Tankzuges durch den Kopf schießt.   

Kurz vor der Auffahrt kommt knapp die Bestätigung der Fahrtrichtung über die Feuerwehrleitstelle Würzburg und wir gleiten - ganz ohne Martinshorn- mit in den fließenden Autobahnverkehr ein. Fast meint man, dass wir uns lediglich auf einer Bewegungsfahrt befinden. Es ist ruhig. Nur die Blaulichter reflektieren sich im vorausfahrenden LKW und weisen auf die Einsatzfahrt hin.

Zwischenzeitlich kommt über Funk die Information, dass sich das brennende Fahrzeug nicht auf dem Abschnitt bis zur Ausfahrt Wertheim befindet, dennoch schon Brandrauch zu sehen ist und daher die Kameraden aus Wertheim ebenfalls alarmiert werden.

Kurz nach der Mainbrücke bei Bettingen kommt der vorher noch so ruhig dahin fließende, morgendliche Verkehr langsam ins Stocken. Das ist für mich das Zeichen, das Martinshorn einzuschalten und auf der linken Spur den Weg zur Einsatzstelle zu bahnen. Nun ist auch für uns der Brandrauch und Feuerschein im Nachthimmel zu sehen und ich fahre zügig und mit Vorsicht weiter durch die vorbildlich gebildete Rettungsgasse.

„Main Spessart zwo, Eintreffen Einsatzstelle“ schallt es aus dem Funklautsprecher. Meine Gedanken sind nun wieder beim Einsatzstichwort „Brennt Tankzug“. Mir fällt sichtlich ein Stein vom Herzen, als folgende Lagemeldung im Funk zu vernehmen ist:

„Tanksattelzug im Entstehungsbrand, Zugmaschine vom Auflieger getrennt, brennt Reifen der Hinterachse“ und vor allem als die Beladung des Fahrzeuges bekannt wird „20.000 Liter Ananassaft“ - kein Gefahrgut, sondern der Grundstoff für leckere Speisen und Getränke.

Der Verkehr staut sich nun bis zum Stillstand, ich ziehe am brennenden Auflieger vorbei und stelle das Fahrzeug zwischen Standstreifen und rechter Fahrspur ab. Schließlich kennen wir das alle selbst: es kann Stunden dauern, bis die Fahrt wieder fortgesetzt werden kann, wenn man im Stau einer Vollsperrung steht. So bleibt die linke Fahrspur frei und der Verkehr kann langsam weiter rollen.

Die Tätigkeiten für den Schaumeinsatz laufen routiniert und gekonnt ab. Ich als Maschinist bediene die Pumpe und helfe bei Aufbau der Schaumarmaturen. Der Angriffstrupp rüstet sich mit den erforderlichen Strahlrohren und Geräten aus, der Wassertrupp kümmert sich um Beleuchtung und Schlauchverlegung. In kurzer Zeit kann der Brand eingedämmt und abgelöscht werden - noch vor Eintreffen der nachfolgenden Kräfte.

Nach Rückmeldung der Lage an die Leitstelle und der Information, dass der Bergungsdienst bereits auf dem Weg zur Einsatzstelle ist, heißt es für uns „Abbauen“.

Schnell werden die verschmutzten Geräte und Schläuche eingeladen, die Beleuchtung eingefahren und das Fahrzeug abfahrtbereit gemacht. Nachdem die Mannschaft wieder vollzählig auf dem Fahrzeug aufgesessen ist, rücken wir über die Autobahn in Richtung Würzburg heimwärts ab. Schließlich muss der Grossteil unserer Mannschaft auf die Arbeit und wir wollen nicht unnötig Zeit verlieren.  

Zurück im Feuerwehrhaus gebe ich Anweisung, den Stromerzeuger wieder nachzutanken und das Fahrzeug mit neuen Gerätschaften zu bestücken. Während zwei Kameraden die Schläuche waschen, zum Trocknen aufhängen und die benutzten Schaumarmaturen spülen, fülle ich als Maschinist noch den Wassertank und ersetze das verbrauchte Schaummittel. Die Fahrzeuge werden schließlich stets einsatzbereit im Gerätehaus abgestellt.

Das Waschen des Fahrzeuges verschiebe ich auf den Abend. Nach Feierabend. Ich muss diesen ja nun um die für den Einsatz geopferten Stunden nach hinten verschieben und möchte deshalb nicht zu spät zur Arbeit kommen.

Es ist mittlerweile 7:30 Uhr, als ich mich schnell daheim wasche und für die Arbeit fertig mache.

Der allmorgendliche frisch gebrühte Kaffee muss heute einem Fertiggetränk aus der Plastikflasche weichen, den ich auf der Autofahrt zur Arbeitsstelle trinke.

 

Daniel Mittelsdorf